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Faust-Wirklichkeiten
 
von Hans Wildermann


„Nun sag, wie hast du’s mit der Religion?“
Religion und Kirche spielen im Faust eine ganz essentielle Rolle, da das Stück auf der Wette zwischen Gott und dem Teufel aufbaut.
Im Gegensatz zu Gretchen denkt Faust nicht daran, sich an das System anzupassen. Er stößt die Zwänge der Kirche ab, denn seiner Meinung nach soll die Religion nicht erzwungen werden. Vielmehr muss der Glaube an Gott vom Herzen ausgehen, dann kann man von wahrer Religiosität sprechen. Letztendlich gibt Faust Gretchen keine klare Antwort darauf, ob er nun an Gott glaube oder nicht. Vielmehr behauptet er, dass der Glaube an Gott jeder Manns Sache ist und dass jeder es auf seine eigene Art und Weise fühlt und ausdrückt.
An diesem Punkt ist Fausts Auflehnung gegen Diktatur der Kirche besonders ersichtlich. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Faust die Existenz Gottes nicht bestreitet. Die Tatsache, dass er Mephisto, den Teufel persönlich kennt, belegt, dass Gott existiert. Denn wenn es Teufel gibt, dann gibt es auch den Gott. Vergleichbar ist es mit den beiden Gegensätzen „gut“ und „böse“. Ohne das Böse würden die Menschen das Gute nicht kennen und umgekehrt.
Durch die fiktive Figur Fausts übt Goethe Kritik am dem kirchlichen Regime seiner Zeit. Außerdem kritisiert er solche Menschen wie Gretchen, die sich an die Herrschaftsstrukturen anpassen statt auf das eigene Herz zu hören und eine eigene Meinung in Bezug auf Gott und Kirche zu bilden.



 

Wildermann LNM Koblenz 12Heike-KrugerLange Nacht der Museen, | Koblenz | 2012 | Gallery

Ausstellung der kompletten original Ausgabe Nr. 2/100


49 Blätter zu Goethes Faust II, erstmalige Präsentation aller handsignierten Blätter
49 Inhalts-Blätter, plus aller Titel- und Kapitelblätter. Dokumenttyp: Monographie
Erscheinungsjahr: 1919
Erscheinungsort: Regensburg | Verlag: Bosse
Umfang: s/w ca. 36,5 x 48,8 cm im Passepartout.





Wildermann Faust-Wirklichkeiten BlattTitel2Selbstbiographische Notiz


Jenseits des Rheinstroms bei Köln führten
alte Baumreihen zu einem Wallfahrtsort.
Unter einer tausendjährigen Linde stand eine Kapelle.
Diese barg das vergoldete Holzbild einer Pietà,
vom Schein der Opferkerzen schweigsam umstrahlt.

Die Linde fiel in den Tagen meiner Kindheit.
Das Bild steht noch. Statt der Bäume – Kamine.
Mein Vater diente den qualmenden Riesen.
Mein Herz hing an dem Gold des göttlichen Wunderbildes.
Täglich führte meine Mutter mich dorthin.

Zwei Adler umkreisen den Mittelpunkt der Erde.
Zeus hat sie gesandt von den Enden der Welt.
Über dem Heiligtum des Apollo am kastillischen Quell schwebten
sie noch, als ich bei früher Sonne die Weihestätte betrat.
Ich besuchte sie nur einmal wirklich.
Aber seit vierzig Jahren blieben die Pole meines Lebens:
die goldene Pietà in Holz und der delphische Gott in Marmor.
Im Schutze der Madonna wurde ich als Heide geboren.
Im Schatten des Olymp erlebte ich den ewigen Strahlenkranz
des Christentums.
Dieser Pendelschlag meines Lebens ist die Regulierung
Wildermann Faust-Wirklichkeiten Blatt6 Nachtmeines künstlerischen Wollens.
Was ich an Arbeiten geben konnte, ist im Kernpunkt
eine Vereinigung von Olymp und Golgatha;
Beitrag zum Beweis einer existenten Orphika.

Mehr kann ich von mir nicht sagen.
Man wird verstehen, warum ich das Feld meiner Arbeit
ausdehnen musste über Holz und Marmor, Farbe und das Licht,
das auf den weltbedeutenden Brettern leuchtet.
Verschiedene Instrumente   e i n e r   Melodie.

Hans Wildermann 1933

(Quelle: Hans Wildermann, Autobiogrfie, Bosse-Verlag 1930)







Vita

Hans Wildermann wurde am 21. Februar 1884 in Köln als Sohn des Fabrikdirektors Heinrich W. Wildermann und seiner Ehefrau Maria Wildermann, geborene Röhr geboren. Er besuchte zunächst Schulen in Reckling­hausen und Köln und studierte dann in Düsseldorf, Berlin und München.
Ab 1907 lebte er dann wieder in seiner Heimatstadt, wo er unter Max Martersteig an der Ausstattung der Kölner Bühnen arbeitete.

Wildermann Faust-Wirklichkeiten Blatt49 bergschluchtenEr wirkte 1911 an den Opernfestspielen mit und nahm im Jahr darauf an der Kölner Sonderbund-Ausstellung teil.Im selben Jahr holte ihn Johannes Maurach als Gastbühnenbildner ans Stadttheater Essen. Ein Jahr später, 1913, ging er nach München, wo er auf Paul Klee traf. Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs arbeitete er vorwiegend als Bildhauer, Maler und Grafiker. Danach kam es zu Zusammenarbeiten mit dem Opernhaus Berlin, dem Nationaltheater München und dem Opernhaus Leipzig.

Im August 1919 folgte Wildermann wieder Maurach, der nun Intendant an den Städtischen Bühnen Dortmund war. Als dieser 1922/1923 nach Nürnberg ging,
wechselte auch Wildermann zunächst mit ihm. Jedoch gelang es dem neuen Dortmunder Intendanten Karl Schäffer Wildermann nach Dortmund zurückzuholen.

Im Jahr 1926 wechselte Hans Wildermann nach Breslau, wo er eine Professur für Theatermalerei an der Staatlichen Akademie für Kunst und Kunstgewerbe erhielt. Ab 1936 war er Leiter des Ausstattungs­wesens am Breslauer Opernhaus.

Die Nationalsozialisten beschlagnahmten 1937 sein Triptychon „Transfiguration“ und erklärten es zur entarteten Kunst.
Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte er in seine Heimatstadt Köln zurück, wo er am 1. November 1954 im Alter von 70 Jahren starb.
Hans Wildermann war mit Erna Hoheisel verheiratet. Das Ehepaar hatte eine Tochter, Angelika.

(Quelle: wikipedia | http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Wildermann)

Frankfurter Goethe-Haus Online-Katalog
Hier finden Sie neben den Arbeiten anderer namhafter Künstler wie Max Beckmann, Eugène Delacroix, Lovis Corinth, Henry Moore etc. auch die Arbeiten Hans Wildermanns zu Goethes „Das Märchen“, „Torquato Tasso“ und natürliche seinem „Faust“.
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