Nina Maron

 

krueger cat and mouse act 1

 

Freeasabumblebee Nina Maron kopieFree as a bumblebee | Öl auf Leinwand | 2014

 

 

FREE AS A BUMBLEBEE?


Nina Maron | 22. Januar - 25. März 2015 | more about the artist www.maron.cc

 

geboren am 20.2.1973 in Mödling, Östereich
Lebt und arbeitet in Wien
1992-93 Ausbildung als Typographikerin
1993 Sommerakademie bei Professor Hollemann
1993 Studium an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien bei Prof. Adolf Frohner
1998 Meisterschüler bei Prof. Frohner und Diplom
seit 1993 freischaffend

 

Nina Maron gibt sich nicht mit schnellen Blicken und dekorativ auf die Leinwand geworfenen Eindrücken zufrieden, wenn sie sich mit einem Thema beschäftigt, dann tut sie das gründlich. Eine intensive Auseinandersetzung fordert sie auch von den RezipientInnen ihrer Bilder, die tatsächlich über bloßes Betrachten hinausgehen müssen, denn ohne das Konzept, die Geschichte geht es bei Maron nun mal nicht.
Es gibt auch keine Chance auszuweichen, den Blick vielleicht auf ein Bild zu heften, das dem/r jeweiligen vielleicht grade besser in den persönlichen Kram passt. Stattdessen können die AusstellungsbesucherInnen ob der Serialität des Gezeigten gar nicht anders, als sich mit dem betreffenden Thema auseinanderzusetzen. 60 bis 70 Bilder malte die 1973 geborene Maron zu Beginn ihrer künstlerischen Tätigkeit, mittlerweile sind es immer noch 20 bis 25 pro Serie. Dahinter steckt auch ein Verweis auf jenen Diskurs-Aspekt, den die Pop-Art provokant zur Diskussion stellte, um Jahre später selbst dort zu landen, wogegen man anrannte – dem Originalitätsbegriff.
Maron ist den nötigen Schritt konsequent weiter gegangen und verweist auf die Diskrepanz von geniekultigem Elitarismus und serieller Produktion und macht im selben Pinselstrich deutlich, dass diese die Individualität keineswegs ausschließt, sondern signalisiert vielmehr die Sichtbarmachung der dahinterstehenden Entwicklung inklusive ihrer gesellschaftspolitischen, kunstbetrieblichen und sozialen Faktoren. Dabei verweist auch sie ironisch auf medienbildliche Einflussnahme, erhebt diese ganz pop-artig ins Künstlerische und legt doch und gerade dadurch den dahinterstehenden Prozess offen. Nina Maron verwehrt sich gegen jede Form von Eindimensionalität und Bruchlosigkeiten, mit beinah soziologischer Akribie decouvriert sie gesellschaftliche Prozesse der Entstehung, Verfestigung und Fortschreibung (bewusst wie unbewusst), sowie das gegenseitige Einander Bedingen von Zuschreibungen, Klischees, Vorurteilen oder Tabus – und verweist weiter auf die ihnen zugrunde liegenden Strukturen, Systematiken.

 

.Born in the USA Nina Maron

Born in the U.S.A | Öl auf Leinwand | 2014

Porträts & Präsenzen

Wie diese den, vor allem die Einzelne(n) prägen, bestimmen, aber eben auch vergewaltigen oder allein lassen, davon handeln Marons Porträt-Arbeiten ebenso, wie sie intensiv und aufschlussreich die Wechselwirkungen von Individuum und Gesellschaft darstellen. „Das Thema der Nina Maron ist ein radikal menschliches: die Entstellung, die Verstellung, ja, die Vernichtung des weiblichen Menschen durch Äußerlichkeit, durch Dekor, “ so Peter Turrini über die Künstlerin. Porträts? Ja, Maron setzt Menschen, vor allem Frauen, wiederum vor allem Gesichter großformatig ins Bild. Und arbeitet mit jenen Vorlagen, die die mediale, schubladenfixierte Hochglanz(a)bo/r/(n)niertheit so liefert – oder eben nicht.

Frontpagestory2 Nina Maron

Nina Marons Porträts spiegeln diese Ambivalenz in Technik und Farbgebung wieder, reduzierte, flächige, aber nichts desto trotz präzise Formensprache, kontrastive Farbwahl und auf Geometrie verweisende, dieser jedoch offen_sichtlich zuwiderhandelnde Bildkompositionen sind charakteristische Merkmale ihrer Arbeiten. Immer wieder sind es Balken und Streifen, die sich durch die Bilder ziehen und darüber legen, Gesichter teilen, manchmal zerschneiden, dann wieder gerade dadurch erkennbar werden lassen. Bruchlinien, innere wie äußere, die Persönlichkeiten aber auch die Gesellschaften prägen, die sie auslösen und auf die diese letztlich wieder zurückwirken.

Marons Arbeiten sind ausdauernd und ungeduldig gleichzeitig, seit langem bestehende Erkenntnisse sollen und wollen endlich Gehör finden, die Wucht ihrer Werke fordert das Hinschauen und Sehen mit Vehemenz ein, lässt, trotz allen spielerischen Elementen, Ignoranz nicht mehr zu. „Man wird nicht als Frau geboren, man wird es“ („On ne naît pas femme, on le devient“.), so Simone de Beauvoir in ihrem Opus Magnum Das andere Geschlecht. Gerade dieses Gemacht-werden und -sein wird in Marons Bildersprache überdeutlich, diesbezügliche Fiktion, Illusion, „Natürlichkeit“ im Sinne von Unhinterfragbarkeit verweigert sie kategorisch, stattdessen setzt sie auf die Dekonstruktion derartiger Vorurteile und ihrer trügerischen Sicherheiten.

 

 

Same pink every day Nina Maron

Same pink every day | Öl auf Leinwand | 100 x 50 xm | 2014

Daisy, Lucy, Minnie und Pink Panther

Comic-Motive bilden einen weiteren Fixpunkt im Maron’schen Bilderuniversum. Doch ganz so lieb und nett geht es entgegen dem ersten Eindruck auch hier nicht zu. „Zuschreibungen und Klischees werden bereits den Kindern eingeimpft – oder warum ist immer Mickey der gescheite Detektiv, während Minnie Maus ausschließlich mit ihrer Schönheit beschäftigt ist?“, ärgert sich die Künstlerin und setzt nach „Dabei war das in den ersten dieser Zeichnungen gar nicht so, da waren auch die Figuren selbst noch viel kindlicher, hatten ganz andere Funktionen.“ Dort setzt sie an – einerseits, und zeigt andererseits die sehr erwachsene Einflussnahme, witzig-ironische Daisy Dominas mit Peitschen oder Pistolen gehören zum Repertoire, ebenso wie Lucky Luke mit Lippenstift, transsexuelle Mäuse oder Mice Supersize. Aber auch Pink Panthers mit kaputten Nasen, roten Lippen Lockenwicklern und Staubsauger in der Hand bevölkern das Maroniversum.

Es gibt eben mehr als nur ein Bild!“ Über die Bekanntheit der Sujets erzielt sie jene Aufmerksamkeit, die es braucht, um verknöcherte Zugänge hinterfragen und Stereotypen subversiv unterlaufen zu können. Klar regt sich da des öfteren Widerstand, weil das hübsche, bunte Maron-Bild plötzlich einen so vehementen „Störfaktor“ beinhaltet. Fragt sich, worin dieser dann eigentlich besteht…

 

 

Existtoresist Nina Maron

Existtoresist | Öl auf Leinwand | 90 x 60 cm | 2014

 Widerstand sinnvoll

>>Mir war, als flög ich in den Himmel.(aus Theodor Fontanes ,Effie Briest‘)
Die Schaukel, das Symbol einer unbeschwerten Kindheit, von kindlicher Lebenslust, ein paar Sekunden fliegen im Glück und Übermut. Die Mehrheit der Frauen weltweit haben dieses Glücksgefühl völliger Losgelöstheit und Selbstbestimmtheite als Erwachsene vergessen müssen oder schon als Kind nie erfahren. Sich die Schwinge der Freiheit zu bewahren, müssen viele Frauen ein Leben lang verteidigen.<< Heike Krüger

 

 

I cant shoot him anymore Nina Maron

I can‘t shoot him anymore | Öl auf Leinwand | 50 x 40 cm | 2014

 Von TitelGebung und Schablonenrissen

Überhaupt sind die Benennungen der Serien entscheidende Bestandteile der jeweiligen Werke, oft zitiert sie Song- oder Filmtitel, eröffnet auch damit einen bekannten Raum, den ihre Darstellungen dann nicht selten gleichzeitig überzeichnen und unterlaufen.

So auch in More Me Less We, wo sich die Message überhaupt erst durch den Titel erschließt. Zu sehen sind Reminiszenzen an klassische Kuss-Szenen, sowohl filmische als auch auf der Leinwand (Klimt lässt grüßen). Die Konturen der Gesichter strukturieren das jeweilige Bild, die dieses auch gänzlich ausfüllen, da bleibt kein Raum mehr frei im quadratischen Rahmen, nur die Hand der Frau klammert sich, ganz zentral im Bild, an die Schulter ihres männlichen Gegenübers. Der Titel der Serie, in der lediglich Farbgebung und Nuancen in der figuralen Positionierung variieren, zusehends flächiger werden, einheitlicher als ohnehin schon reduziert, ist ein Ausbruch, die nachdrücklich-intensiver Aufforderung nach Freiraum und einem Ende des Mythos von totaler Zweisamkeit, die in wechselseitiger Umklammerung meist zu beider, aber letztlich immer zu lasten der Frau (aus)geht. Maron rennt provokant und unverblümt gegen eine der wohl am weitesten verbreitet und beschworenen gesellschaftlichen Normen an, die quer durch alle Medien als Glücksversprechen verkauft und uns von Kindesbeinen an eingetrichtert werden: jenes von der Liebe in form gänzlicher Hin- und Aufgabe, Selbstdefinition durch Fremddefinition (siehe: gemacht-werden…) vollständige Erfüllung, Lebenszweck (StichWort Natürlichkeit) im Kompromiss der Zweisamkeit, und gleichzeitig Rechtfertigung für die Hexenjagd, die gleich als Warnung für möglichen Widerspruch ausgetragen wird, auf all jene, die sich weigern, sich dieser Konvention zu unterwerfen. Klar, ist diese Widersetzung doch eine Weigerung, die dem Profitsystem Paarbindung einen Keil in die Flanken treibt, Kontrolle verweigert, Ressourcen freischaufelt, die Handlungsraum bieten, auf jeden Fall aber einem der grundlegendsten Konstrukten unserer Gesellschaft zuwider läuft und – dessen vermeintliche Naturgegebenheit negieren.

Bloody Friday Nina Maron

Bloody Friday | Öl auf Leinwand | 100 x 70 cm | 2014

In Bloody Friday stellt sie – und zwar unausweichlich erkennbar und uncodiert – die immer noch herrschende Dichotomie von Phantasie und Anspruch ans weibliche Rollenerfüllungsklischee gegenüber: Heilige und Hure, übersetzt Hausfrau und Diva, das das Frauenbild – im wörtlichen Sinn – seit ältester Zeit prägt und immer wieder neu aufgelegt wird. Im Kinderspiel, das das Erstarren auf Zuruf beinhaltet, manifestiert sich der Zusammenhang in perfider Perfektion. Die Folge spiegelt sich – unter anderem – im Serientitel, wo landet Frau mit der Erfüllung immer und immer noch? Maron spielt mit plakativ-psychologischen Elementen und nimmt sie ernst. Traut sich, im Bild an- und auszusprechen, was in vier Wänden und öffentlichen Räumen noch immer vorhandene Entscheidungsgrundlage ist, weist aber auch auf die Bereitschaft zur Erfüllung derselben hin.

Text: Evelyn Schalk | leicht gelürzte Version, vollständig über Nina Maron erhältlich | Einig Passagen ergänzt von Heike Krüger s. Zitat im Text

 

Einzelausstellung

 

2014
see that girl, Raab Galerie Berlin
wild time, JRGallery Berlin gemeinsam mit Viktoria Martini und Astrid Köhler

2012
Januar, Red Shirt, Raab Galerie Berlin
Kunstmesse Karlsruhe mit Raab Galerie Berlin

2011
Kunstmesse Karlsruhe mit Raab Galerie Berlin

2010
Kunstmesse Karlsruhe mit Raab Galerie Berlin
Blaustrumpf, Raab Galerie Berlin
Privat Cooking, Galerie Lange Wien

2009
Kunstmesse Karlsruhe mit Raab Galerie Berlin
MoreMe – LessWe, Raab Galerie Berlin; Zimmer Küche Kabinett Galerie Lange Wien

2008
Your Smile, Raab Galerie Berlin
Kunstmesse Karlsruhe mit Raab Galerie Berlin - Einzelausstellung

2007
DIE Zofen, Galerie Lang Wien; We can do it, Stockwerk, St. Pölten
Kunstmesse Karlsruhe mit Raab Galerie, Berlin; Kunst.Bildet.Wissen, Hamburg

2006
Who cares about money?, Galerie Raab, Berlin

2005
Girls Dont Cry, Galerie Lang, Wien

2004
Pinups and Mice, Galerie 12, Innsbruck
Rebellinnen, Rathausgalerie“Linz, Rebellinnen, Rennerinstitut, Innsbruck
Rebellinnen, Ega Frauenzentrum, Wien
Druck-Edition Who’s Afraid of the Pink Panther, Galerie Exner

2003
Druck-Edition in Kooperation Kurt Zein, Werkstatt für handgedruckte Originalgrafik
Sold Out, Festival des politischen Liedes, Weissenbach am Attersee

2002
Das Gesetz der Serie, Galerie Lang, Wien
Rebellinnen” Festival des politischen Liedes, Weissenbach am Attersee

2001
Rebellinnen, Galerie Lang, Wien
Mickey’s Mouse und andere Rebellinnen, Philips-Galerie, Wien

2000 Objects of the art, Galerie Lang, Wien

1999 Life as a rebellion, Galerie Unart, Villach

1998 Care Free, Galerie Lang

1997 Mickey’s Mouse; Kultursemester Harrach, Graz

1996 Underwear, Galerie Lang

1995 Sardinen in Öl, Galerie Niedermayr, Wien

 

Ausstellungsbeteiligungen

2013
Farbenkreis, (GA), Raab Galerie Berlin
Film . Werbung . Märchen (GA), Eröffnungsausstellung der JR Gallery Berlin

2012
Der Traum vom Fliegen, Raab Galerie Berlin
Küchenbilder, Raab Galerie Berlin

2011
Der Nachmittag überquert den Flur – Bettgeschichten, Raab Galerie Berlin
WALD, Raab Galerie Berlin

2009 - second life -, Botschaft der Republik Österreich in Berlin

2008 City in the summer, Raab Galerie Berlin

2007

Int. Kunst Biennale Sofia; Liebe - Sandleitenhof, Wien,
Die Schönheit des Konsums, Brick5, Wien

 

2006
Neuigkeiten, Galerie Unart, Villac; Frauen im Widerstand, Parlament
Tischgesellschaften, Galerie Raab, Berlin

2005
Ikonen und Heldinnen (mit Martha Novy), Galerie Fichtegasse1, Wien
Art fair, Köln mit Raab Galerie Berlin; Up-Date, Künstlerhaus, Wien

2004
Sommersalon, Galerie Raab, Berlin; Art fair Köln mit Raab Galerie, Berlin
Weihnachtskunstdiskont, IG Bildende Kunst, Wien; Hallo Rubens, Galerie Lang Wien
Queen of Bandits, Festival des politischen Liedes, Weissenbach am Attersee
Von Jetzt, Galerie Lang Wien

2003
Frauenstimmen, Galerie Unart, Villach; economy and ecstasy, Raab Galerie, Berlin
Starke Frauen, Galerie Unart, Villach; “Collaboration.art”, Basis Wien, Wien
“Rebellinnen im Widerstand”, Internationaler feministischer Kongress, Universität Graz
“17 Jahre Adolf Frohner”, Wr. Neustadt
“Almanach zur jungen Kunst in Wien”, Art-Position 2003, Wien
“Pink Gun”, Galerie Unart, Villach (gemeinsam mit Bodgan Pascu)
“Rebellinnen”, Universität Linz ; “Bitch Witch Wedding”, Zeiselmauer
“Female Killers”, Art-Club, Wien

2002
“Lucky Lipstick, Art-Club, Wien; “Mensch”, St. Pölten
Rollettmuseum, Baden; Kunsthalle Szombathely, Ungarn
Wanderausstellung, Versteigerung von 2 Arbeiten zu Gunsten “Der Treppe”, Burgenland
“Neue Ansichten”, Grafikmappe, Galerie Unart, Villach (mit Gernot Fischer, Bogdan Pascu, Walter Strobl)
2001 IG Kunst Galerie, ”Tipp X”, (mit Martha Novy)
”Wallpaper - Kids on Canvas”, Galerie Mourratti
2000 Badner Kunstverein, Galerie im Beethovenhaus, Baden
“Miniaturen”, Expo 2000, Hannover; “Soho in Ottakring”, Wien
1999 “m2”, Badner Kunstverein, Galerie im Beethovenhaus, Baden
“Weihnachtsausstellung”, Badner Kunstverein, Galerie im Beethovenhaus, Baden
“233 Meter über dem Meer”, Bozen
“Who the fuck is Alice?”, “Soho in Ottakring”, Wien

1998 Diplomausstellung, Hochschule für angewandte Kunst, Wien

1997 “Schöner Wohnen” (mit Götz Bury, Martin Praska), Galerie Lang, Wien
“Sitting on the household”, Galerie im Beethovenhaus, Baden (mit Martha Novy)
"Aktion, Reaktion, Interpretation”, Galerie I&AC, Graz (mit Lisa Kunit)
“Skizzen zu Österreich”, Kunst im öffentlichen Raum, 7. Bezirk, Wien

1995 “Das Bild der Zeit/ung”, Galerie Station 3, Wien

1994 “Kunst und Politik”, Parlament, Wien

 

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